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Weltrekord Eliud Kipchoge

eliud_kipchogeDie Idee die 2Stunden Marke der Marathon-Distanz zu brechen besteht seit geraumer Zeit. Für viele von uns unvorstellbar und dennoch begeisterte Eliud Kipchoge am vergangenen Sonntag, beim Berlin Marathon, die gesamte sportliche Berichterstattung mit der neuen Marathon Bestleistung von 2:01:39.

Schon im Mai 2017 auf der Rennstrecke von Monza(IT) gab es den gewagten Versuch diese Marke zu unterbieten. Auch damals war Eliud Kipchoge derjenige dem man es zutraute. Und auch wenn der Erfolg ausblieb, so war es für mich persönlich klar, dass wir noch einiges von ihm erwarten können –der neue Marathon Weltrekord.




Wie viele von euch wissen, habe ich mein Verständnis der Laufbewegung, der mechanischen Zusammenhänge, der Physio- und Psychologischen Parameter über viele Jahre der Zusammenarbeit mit den verschiedensten Experten auf diesen Gebieten erlernen dürfen. Doch jemand ganz bestimmtes hat dieses Verständnis besonders geprägt!

Dr. Nicholas Romanov

Dr. R -wir er auch von vielen genannt wird, hat in der Wissenschaft viel dazu beigetragen, dass wir die Laufbewegung so verstehen wie wir es heutzutage tun. Natürlich hat mir Dr. R auch eine erste Analyse zu Eliud Kipchoge abgegeben welche ich hier auszugsweise aus dem Englischen wieder geben möchte.


Die Bemühungen in Monza die 2h Marke beim Projekt „Breaking2“ zu brechen.

Im Vorfeld standen vor allem Physiologie, Ausrüstung und Umwelt im Vordergrund. Jeder konzentrierte sich darauf, Wege zu finden, um die Zielzeit zu verkürzen, indem das effektive Gewicht des Läufers über Schuhe und Ausrüstung kontrolliert und die Aerodynamik mit den zuvor genannten Taktiken verbessert wurde. Das einzige was fehlte, war eine Diskussion über die Optimierung der Lauftechnik der teilnehmenden Läufer. Es ist eine Schande, dass davon ausgegangen wird, dass Elite-Läufer das abdecken ohne ein besonderes Augenmerk darauf zu legen. Technik ist die eine Sache, die viel Raum für Verbesserungen bietet, egal auf welchem Niveau der Athlet sich befindet.
Die Optimierung der Lauftechnik auf dieser Leistungsstufe und insbesondere bei Läufern wie diesen, deren Technik bereits sehr gut ist, ist nicht dasselbe wie auf Freizeit- oder sogar Profi-Niveau. Schließlich sind diese Jungs an der Spitze aufgrund einer Kombination von Faktoren, die überlegene Technik mit einschließen. Dennoch ist es wichtig, die Technik zu erhalten und sogar noch weiter zu optimieren, um die sportliche Karriere weiter zu verbessern und auszubauen.
Es ist nicht schwer, Statistiken zu betrachten, um festzustellen, dass die Mehrheit der besten Läufer zu schnell „verbrannt“ sind bevor sie ihr volles Potenzial erreichen. Dies geschieht nicht aus Mangel an Willen oder Wunsch weiterzumachen, sondern in den meisten Fällen aufgrund von Verletzungen.


Lauftechnik Analyse von Eliud Kipchoge

Wenn wir uns die wissenschaftlichen Daten von dem Versuch in Monza ansehen und auswerten, können wir daraus Rückschlüsse ziehen, die uns aufzeigen, welche Faktoren es zu verbessern gilt. Also was macht Eliud Kipchoge zu einem so besonderen Läufer? Und welche Faktoren müssten besser werden damit er bei einem erneuten Versuch die 2h Barriere durchbrechen könnte? 
Aus der Sicht der Pose-Methode hat er alle drei Elemente (Pose-Fall-Pull) ziemlich gut ausgeführt. Während des gesamten Laufes -der für sich selbst sehr beeindruckend war, hat er seine Laufhaltung beibehalten. Seine Schrittfrequenz war ein sehr guter Durchschnitt für einen Marathon, aber ein leichter Anstieg dieser hätte einen großen Unterschied gemacht.

Hier die Fakten. Zeit: 2:00:25, Durchschnittsgeschwindigkeit 5,84 m/s, Durchschnittsgeschwindigkeit pro km - 2:51,2; Durchschnitt 10km - 28:32.
Von den ersten Minuten im Rennen und bis zur Endstrecke betrug die durchschnittliche Schrittfrequenz etwa 185 s/m - 3,08 s / s, SL - 1,90 m; AF - 17,5 °. Ich analysierte die Support-Zeit nach Time Frames und fand heraus, dass diese über die gesamte Länge des Rennens stabil war - 2 Frames vom Touchdown und 1 Frame für das Fallen (von Pose bis zum Ende des Supports). Das Ende des Supports erscheint durchgehend in Pose. Der große Fallwinkel war während des gesamten Rennens gut sichtbar. Der Supportfuß, der sich nach dem Fallen nach oben bewegte, war konsistent und korrelierte während des gesamten Rennens mit der Nähe der vertikalen Körperposition. Auch sein hinteres Bein war im Grunde immer nach dem Support leicht angewinkelt, was ein gutes Zeichen dafür ist, dass kein Abstoß erfolgt. Im Vergleich zu seinen Teamkollegen -die sehr große visuelle Abweichungen von den technischen Standards hatten, führte es bei ihnen dazu, dass sie nicht in der Lage waren ein vorgegebenes Tempo über die gesamte Distanz beizubehalten. Es war nicht ihre "überlegene“ Ökonomie oder die Sauerstoffverbrauchsfähigkeit, noch waren ihre "überlegene" Schuhe hilfreich um mit solch einem anspruchsvollen Tempo Schritt zu halten. Aus meiner Sicht war ihre Diskrepanz in der Technik und der mentalen Verfassung das Haupthindernis bei der Bewältigung dieser anspruchsvollen Aufgabe.

Damit Eliud Kipchoge (5'6) die 2 Stunden Barriere unter den gegebenen Bedingungen brechen könnte, müsste er seinen Fallwinkel noch weiter erhöhen und das Ergebnis wäre 1:59:24 gewesen. Ein anderer Weg, um die Barriere zu überwinden, wäre gewesen, die Schrittfrequenz im Durchschnitt auf 195 Schritte pro Minute zu erhöhen und den Fallwinkel ein wenig zu verringern. Dann wäre das Ergebnis 1:59:19 gewesen. Beide Möglichkeiten wären für diesen herausragenden Athleten mit solch hohen genetischen Fähigkeiten und erfolgreicher Leistung in seinem Hintergrund durchaus möglich gewesen.
Interessanterweise war sein Fallwinkel viel größer als der von Dennis Kimetto (5'7) der im Jahr 2014 einen Weltrekord von 2:02.57 erzielte. Nach meinen Berechnungen zufolge erreichte Kimetto dies mit einem kleineren Fallwinkel und einer durchschnittlichen Schrittfrequenz von 188 Schritten pro Minute.
Während der Fallwinkel von Kimetto während des gesamten Laufes variierte, ist seine Fähigkeit, einen solchen hohen Fallwinkel zu erzeugen und die Schrittfrequenz über die gesamte Distanz beizubehalten, ein Beweis für seine Fähigkeit, trotz zunehmender Ermüdung den mentalen Fokus auf die Technik zu legen.

Trainingsempfehlung

Aufgrund begrenzter Informationen bezüglich des Trainingsprotokolls von Eliud Kipchoge und der Ergebnisse des Breaking2 Projekts ist es sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass ein Mangel an erforderlichem höchst spezifischem Training und eine vollständige Wahrnehmungsentwicklung fehlt. Diese beiden entscheidenden Komponenten sind wichtig, um vorwärts zu kommen und tatsächlich die 2 Stunden Barriere im Marathon zu brechen. Mit Eliud Kipchoges aktuellem Niveau an Fähigkeiten, genetischem Potenzial und fantastischer mentaler Stärke wäre es ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich möglich, 2 Stunden unter normalen Rennbedingungen zu laufen.
Es ist meine Hoffnung, dass Eliud Kipchoge seinen Trainingsansatz aktualisiert und die notwendigen Anstrengungen in die oben genannten Bereiche investiert und uns somit erlaubt, Zeuge dessen zu werden, was einst für unmöglich gehalten wurde.


In Zusammenarbeit mit Dr. Nicholas Romanov www.posemethod.com

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